




„Ahi, cosa veggio!“
sortiert in:
Das Accompagnato-Rezitativ „Ahi, cosa veggio!“ KV 712 findet sich in der Aufführungspartitur des Wiener Hoftheaters zur Opera buffa Il burbero di buon cuore von Vicente Martín y Soler, die am 9. November 1789 in der kaiserlichen Hauptstadt erstmals gegeben wurde. Es steht dort unmittelbar vor der Einlagearie „Vado, ma dove? oh dèi!“ KV 583 von Mozart und ersetzt ein Secco-Rezitativ auf denselben Text von Martín y Soler. Da die Einlagearie und das Rezitativ, das anders als die Arie keine Autorenangabe aufweist, auf derselben Papiersorte geschrieben sind, wird Mozarts Autorschaft ernsthaft in Betracht gezogen.
Mozart schrieb eine Vielzahl an Arien, Szenen und Ensembles, die genau an die Stimmen der vorgesehenen Sängerinnen und Sänger angepasst waren. Einige davon entstanden als Ersatzstücke für eigene oder fremde Opern. Gelegentlich wurden Stücke, die Mozart entworfen oder sogar fertiggestellt hatte, noch vor der Uraufführung einer Oper ausgetauscht, weil sie den Sängern und Sängerinnen nicht gefielen. In Mozarts Jugend dienten Arien außerdem dazu, das Talent und die schnelle Auffassungsgabe des jungen Komponisten zu zeigen: Schon während der großen Westeuropareise 1763/66 schrieb Mozart nicht weniger als 15 Arien, gefolgt von mindestens fünf während des Aufenthalts in Wien 1767/68 und mindestens sechs weitere während der ersten Italienreise 1770/71. In seiner Salzburger Zeit komponierte Mozart nur eine kleine Anzahl von Arien, vermutlich für Mitglieder von Wandertruppen während ihres Aufenthalts in der Stadt oder für durchreisende Virtuosen und Virtuosinnen. Arien oder Szenen (mit einleitendem Accompagnato-Rezitativ) wurden häufig als Stücke in Konzerten und Akademien verwendet. Während der Reise nach Mannheim und Paris 1777/78 und später in Wien komponierte Mozart mehrere Arien, um bestimmten Sängern und Sängerinnen einen Gefallen zu erweisen.
Autograph, 1789
Abschrift
Partitur